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Chorszene 11.09.2026

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João Martins gewinnt den zweiten Schweizer Chorwettbewerb

Sieben Fragen an den Initianten des Schweizer Chorleitungspreises Raphael Immoos

Was für Eindrücke nehmen Sie vom letzten Chorleitungswettbewerb mit?

Es waren drei intensive und inspirierende Tage für alle Teilnehmenden, auch für die zahlreichen Hörer:innen. Ich bin sehr zufrieden und glücklich, dass wir inzwischen bereits zehn Kandidat:innen ein seltenes Praxisfeld mit einem professionellen Chor anbieten konnten.

Was war die Ursprungsidee des Schweizer Chorleitungspreises?

Als ich meine langjährige Unterrichtstätigkeit an der Hochschule für Musik in Basel zu Gunsten meiner künstlerischen Tätigkeit mit den Basler Madrigalisten beendete, fragte ich meine ehemaligen Studierenden, was ihnen am meisten gefehlt hat. Sie wünschten sich vermehrt Erfahrungen mit professionellen Vokalensembles, um letztlich ihren eigenen Laienchor mehr ausloten können. Wer einen hervorragenden Konzertflügel ausprobieren durfte, wird auf seinem Übungsklavier ganz anders spielen. Man setzt sich Ideale und dies wird unseren Chören landauf landab zugute kommen. Diese Chorleiter:innen sind Multiplikator:innen für die Basis. 

Weshalb braucht es einen Schweizer Wettbewerb?

In den umliegenden Ländern, vorab in Deutschland, sind Wettbewerbe mit Rundfunkchören längstens etabliert. Leider sind wir kein EU-Land. Deswegen sind Schweizer Chorleiter:innen benachteiligt und haben deshalb nur selten Gelegenheit, an Chorleitungswettbewerben zu dirigieren, geschweige denn sich auf einen solchen vorzubereiten.

Teilgenommen haben professionelle Chorleiter:innen, das Niveau ist der Teilnehmenden ist hoch. Wie gingen Sie vor, um den Gewinner João Martins herauszufinden?

Die erste Selektion war eine ganz natürliche. Ein Masterdiplom in Chorleitung, Alter und praktische Tätigkeit in der Schweiz waren Bedingungen. Mit der Endausscheidung hatte ich nichts zu tun. Das war Aufgabe einer internationalen Jury mit einer einzigen Fragestellung: Welche Person holt am meisten aus den Basler Madrigalisten heraus! Der erste Preis ist bekanntlich kein Geldbetrag, sondern ein Projekt mit unserem Ensemble, nochmals einen Förderaspekt!

Was soll ein:e Teilnehmer:in nach diesen drei Tagen idealerweise mit nach Hause nehmen?

Da die meisten noch wenig oder gar keine Erfahrungen mit professionellen Ensembles hatten, wurden sie von Johanna Gutzwiller, einer Spezialistin im Bereich der Körperarbeit und mir als ständigen künstlerischer Leiter der Basler Madrigalisten gecoacht. Wer beim Wettbewerb mitmacht, nimmt zusätzlich ein Masterkurs-Zertifikat nach Hause, erhält professionelle Fotos und ein Video. Das ist ein hervorragender Start in die faszinierende Welt des Chordirigierens.

Was ändert sich für die Chorleiter:innen eigentlich, wenn sie plötzlich einen professionellen Chor vor sich haben?

Unsere Sänger:innen sind alle diplomiert und haben fünf Jahre lang studiert. Man muss ihnen keine technischen Hilfen unterrichten. Es geht sofort um das Eingemachte, um die Musik. Eine Session mit Profis dauert drei bis vier Tage, da muss man extrem fit und schnell sein. Jede Minute kostet Geld. Man muss also genau überlegen, wieviel man die Probezeit nutzt. Natürlich durch wenig Erklärungen und viel Musizieren.

Wird es in zwei Jahren wieder einen Chorleitungspreis geben? Gibt es Aspekte, die Sie anpassen/ändern möchten bei der nächsten Ausgabe?

Da die Basler Madrialisten in zwei Jahren das 50-jährige Jubiläum feiern, würde ein dritter Chorleitungswettbewerb perfekt passen. Wir sind mit unseren Partnerinstitutionen daran, die diesjährige Ausgabe auszuwerten und dann sehen wir weiter!

 

Medienmitteilung

 

Der Leiter Raphael Immoos 

Raphael Immoos verfügt über langjährige Erfahrung als Professor für Chorleitung und als Dirigent verschiedener Vokalensembles an der Hochschule für Musik in Basel. Von 2000 bis 2013 leitete er das Akademische Orchester Basel und von 2004 bis 2013 das Vokalensemble Cappella Nova. Seit 2013 ist Raphael Immoos künstlerischer Leiter der Basler Madrigalisten. Er ist zudem künstlerischer Leiter der Sommerakademie Thun. Rundfunk- und CD-Aufnahmen, Gastauftritte bei Chören und Orchestern sowie Jurytätigkeiten und Meisterkurse im In- und Ausland dokumentieren seine vielseitige Tätigkeit.

Der Gewinner João Martins

João Martins (*1999) schloss an der Zürcher Hochschule der Künste zwei Masterstudiengänge in Chorleitung mit Auszeichnung ab. Im Herbstsemester 2025 leitete er einen Dirigierkurs an der Universidade do Minho in Braga, Portugal. Zuletzt assistierte er Florian Helgath an der Zürcher Akademie.


Von links nach rechts: Clara Kost, Marco Beltrani, Johanna Gutzwiller, João Martins, Tobias Stückelberger, Raphael Immoos und Maxime Thély. Foto: Benno Hunziker.

Ausrichtung: oben

Der Gewinner João Martins mit den Basler Madrigalisten_Foto Benno Hunziker

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Isablle Schmied-Gloor