Startseite

Verband 01.04.2016

<< zurück

Rückblick auf das Gesangfest 2015 in Meiringen

Festliche Auftritte und kleine, feine Begegnungsorte

Die herzliche Stimmung sowohl unter den Chören, den Sängerinnen und Sängern als auch den Einwohnern von Meiringen war begeisternd. Und auch das Wetter spielte mit. Umsichtig, engagiert und routiniert hat sich das Organisationskomitee dafür eingesetzt, dass für alles und alle gesorgt war. Das Gesangfest war auf allen Ebenen ein voller Erfolg. Vor allem aber war es ein Anlass der Begegnungen, die manchem Besucher und teilnehmenden Sänger wohl noch lange in Erinnerung bleibt. Auch das Organisations-komitee darf eine positive Bilanz ziehen – in Zahlen: 2,4 Millionen Budget, 36’000 Besucher, 35’480 Helferstunden, 317 Programmpunkte mit Gesang auf 40 Chorbühnen. Erstmals basierte das Konzept des Gesangfests auf fünf Säulen: Begegnungsorte, Ateliers, Singen vor Experten, Festkonzerte und Klangorte. In den Begegnungskonzerten liessen Chöre und Formationen verschiedenste Rhythmen aus den unterschiedlichsten Klangrichtungen und Sprachen ertönen. Die Ateliers wiederum boten den Chören die Möglichkeit, entweder improvisierend oder nach Vorbereitung aufzutreten.

Imposante Kulissen beim Schweizerischen Gesangfest 2015 in Meiringen

Besondere Konzersäle

Spezielle Klangorte waren der Kirchturm, gigantische Gletschertöpfe, der Hohlraum der Staumauer, der tosende Giessbach und die Burg Resti, von wo aus die Chöre ihre Lieder präsentieren konnten. Wer mit wertvollen Tipps und Impulsen in der Tasche nach Hause reisen wollte, nahm am Singen vor Experten teil, wobei die Chöre nur auf Wunsch ein Prädikat erhielten: Im Vordergrund stand auch da die freundschaftliche Begegnung. Die täglichen Festkonzerte mit ausgewählten Chören aus verschiedenen Regionen der Schweiz gehörten zweifellos zu den Höhepunkten des Gesangfests Meiringen.

Auch der Hohlraum der Staumauer wurde besungen

«SingplausCH» für Kinder

Am 12. und 19. Juni fand im Rahmen des Gesangfestes der «SingplausCH» für Kinder- und Schulchöre (2.-6. Primarschulklasse) statt. Unter der Leitung von Vreni Winzeler, Präsidentin Verein Schweizer Kinder- und Jugendchorförderung (SKJF), sangen die insgesamt 700 Kinder Lieder aus aller Welt. Die Chöre brachten eigene Lieder mit, die sie den anderen Chören vorstellten, und erhielten im Gegenzug viel Inspiration von den anderen Chören. Nach Workshops am Morgen und Nachmittag endete das Programm mit einem frenetisch gefeierten Auftritt vor den Erwachsenenchören und dem Publikum im Festzelt.
In ihrem Schlussbericht schrieb Vreni Winzeler: «Die Schweizerische Chorszene bewegt sich, und zwar offensichtlich mit Energie und Lebenswille». Und weiter: «Das Chorwesen liegt im Trend». Damit dürfte sie wohl auch den singfreudigen Nachwuchs angesprochen haben. 

SingplausCH im Rahmen des Gesangfestes 2015 in Meiringen

Das Motto «Fest der kurzen Wege» stiess auf grosse Begeisterung

Carl Schiesser, Geschäftsführer des Gesangfestes Meiringen, ist vom Anlass begeistert. 99 % der Chöre seien sehr zufrieden gewesen mit der Organisation. Das Fünf-Säulen-Konzept und das Motto, ein «Fest der kurzen Wege», hätten sich bewährt. Carl Schiesser schwärmte auch von den Festkonzerten: «Phantastisch»! An jedem Festtag fanden zwei bis vier Festkonzerte statt. Insgesamt waren es 51 konzertante Darbietungen. Die Michaelskirche mit 800 Plätzen war vielfach übervoll. Die Sängerinnen und Sänger schätzten es, nebst ihren eigenen Einsätzen inspirierende Konzerte erleben zu können. Besonders begeistert hätten ihn beispielsweise das Spezialkonzert der grossen rätoromanischen Männerchöre und das Konzert des Jugendchors Zürich mit dem Bündner Jugendchor und den Männerstimmen Basel. Begeisterung fand auch das Abschlusskonzert des Schweizer Jugendchors, bevor die Festgemeinde zur Schlussfeier zog.

Festchor als Botschafter

Schon drei Jahre vor dem eigentlichen Fest in Meiringen stimmte ein Festchor auf das Chortreffen ein und warb an verschiedenen Gesangsanlässen in der ganzen Schweiz für das Meiringer Gesangfest. Rund 50 Sängerinnen und Sänger, mit und ohne Chorerfahrung, waren unter der Leitung von Anette Balmer in der ganzen Schweiz als Botschafterinnen und Botschafter unterwegs. Das einstudierte Festliederrepertoire wurde dann an elf Auftritten in Meiringen vorgestellt und liegt seit Januar in einer CD-Einspielung vor. Zudem hat die Schweizerische Chorvereinigung zwei Songbooks herausgegeben und das Liedgut der Chöre über die Formationsgrenzen hinweg bereichern möchten. Das Songbook kann bei Notenpunkt (zuerich@noten.ch) in Zürich oder Winterthur bestellt werden. Weitere Informationen zum Songbook finden Sie hier.

Bundesrätin Evelyne Widmer-Schlumpf bei ihrer Rede am Gesangfest Meiringen 2015

Bundesrätliche Ehren

Zum Abschluss eines grossartigen Festes beehrte Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf das Meiringer Rekordsingen. Sie freute sich über die singende Schweiz und sang im Chor mit der ganzen Festgemeinde auf dem Casinoplatz «Ds Vogellisi». In ihrer Festansprache strich Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf die Jugendarbeit heraus und erinnerte an die tausend jungen Chorsängerinnen und Chorsänger, die im Mai am Schweizer Kinder- und Jugendchorfestival SKJF in Disentis/Mustér (GR) auftraten: «Es ist schön, die Zukunft vor sich zu sehen».

 

Hier geht es zur Bildergalerie

 

Weitere Impressionen und Stimmen aus Meiringen

Erinnerungsvideo
Ihm habe vor allem die Vielfalt gefallen, die nur an einem Gesangfest erlebt werden könne, betonte Werner Werder, Präsident des Aargauischen Kantonal-Gesangvereins «aargausingt» nach dem Gesangfest Meiringen 2015. Weiter betonte Werder die Qualität und Phantasie der Chöre, und «wenn auswendig gesungen wird, wirkt alles gleich sehr viel lebendiger». Werner Werder lobte auch Organisation und Experten: Unkompliziert sei es gewesen, vor allem dann, wenn sich Chöre spontan zum gemeinsamen Singen zusammenfanden. Höhepunkte waren auch für ihn die Festkonzerte, deren «fantastische Qualität» ihn zum schwärmen brachten. Der Hobbyfilmer liess es sich denn auch nicht nehmen, das Gesangfest in einem Video festzuhalten – als Feedback für die Chöre, wie er festhält. Aber natürlich auch, um die Erinnerung an ein einmaliges Fest lebendig zu halten.

Die Topchöre von Europa Cantat
In Meiringen waren zahlreiche Chöre aus der Schweizerischen Föderation Europa Cantat (SFEC) zu sehen und zu hören. Für Präsident Guido Helbling war einer der Höhepunkte des gesamten Festes das Gala-Konzert unter dem Programm-Titel «All Swiss». Drei junge Top-Chöre, die Männerstimmen Basel unter der Leitung von Oliver Rudin, der Bündner Jugendchor mit Martin Zimmermann und der Jugendchor Zürich unter Michael Gohl, präsentierten sowohl je einzeln als auch gemeinsam ein fulminantes Konzert mit einem stilistisch breiten Repertoire, das bis hin zu Arrangements von Schweizer Volksliedern reichte. Das Konzert sei ein grosses Vergnügen gewesen; vor allem die technisch wie interpretatorisch hochstehenden Darbietungen sowie die abwechslungsreichen Programmideen und Choreografien hätten ihn begeistert. Guido Helbling resummiert: «Mit dem Projekt «All Swiss» ist es gelungen, den hohen Ansprüchen der SFEC zu genügen, v.a. hinsichtlich der Vereinigung von Chören und dem gemeinsamen Konzertieren auf hohem Niveau».

Zufriedene Chefexperten
Auch die Chefexperten Elisabeth Gillioz und Patrick Secchiari waren sich einig: Das Fest war ein Erfolg. Dazu hätten die originellen Konzertorte, die Klangorte, die Festkonzerte und die Sängergasse beitragen, waren sich die beiden einig. Es habe viele spontane Auftritte der Chöre gegeben, bei denen sich die Sängerinnen und Sänger aus allen Sprachregionen begegnet seien. Das sei das Ziel des Schweizerischen Gesangfestes 2015 gewesen.
Die Expertisen fielen meist positiv aus. Die Vorträge seien bestens vorbereitet und mit viel Lust und Freude vorgetragen worden, hielten Expertin und Experte fest. Elisabeth Gillioz beurteilte die Qualität der französisch sprechenden Chöre und ihrer Dirigenten im Allgemeinen als gut. Besonders angetan war sie von der sympathischen Stimmung. Auch Patrick Secchiari lobt die Chöre. Es habe solche gegeben, die sich ganz neu präsentiert hätten mit Choreografien und witzigen Requisiten, was den Auftritt sehr lebendig gestaltet habe. Bewertet wurden die Chöre technisch, musikalisch, im Gesamteindruck und in der Interpretation, wobei Secchiari diese Bewertung als Momentaufnahme zur Standortbestimmung für die Chöre sieht. 

Stimmen aus der politischen Schweiz
Nationalratspräsident Stéphane Rossini liess in seiner Ansprache Parallelen zur Politik durchblicken: «Zum Chorsingen braucht es ein feines Musikgehör. Jeder ist Solist, doch der Klang eines Chors ist nur gut und stark, wenn alle einbezogen werden», sagte er. Chöre seien Zellen der demokratischen Grundbildung. Man müsse gut singen, aber auch gut zuhören können. Deshalb sei genug Geld für eine gute musikalische Ausbildung zur Verfügung zu stellen.
Eveline Widmer-Schlumpf bedankte sich bei den Sängerinnen und Sängern für die Erhaltung von Kulturgut: «Man spürte die Begeisterung, alles klappte hervorragend. Und besonders schön war, dass über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg ein solches Fest gefeiert wurde».
Der Berner Regierungsratspräsident Hans-Jürg Käser: «Es ist uns eine Ehre, dass dieser musikalische Grossanlass im Berner Oberland zu Gast ist. Das Haslital bietet mit seiner imposanten Bergkulisse und seiner Gastfreundschaft eine einzigartige Bühne. Der Chorgesang ist tief in der Schweizer Bevölkerung verankert und ein wichtiges, verbindendes Kulturgut». Er brauchte ausserdem viel Lob aus Bern mit: «Ich bin stolz auf Sie, liebe Meiringer».